Zell-Bad Bertrich-Blankenrath und Würrich

Zell- Ev. Pauluskirche

 

Küsterin in der Ev. Pauluskirche ist Frau Reppmann, Kontakt über das Gemeindebüro

Evangelische Paulus-Kirche in Zell

Diese Kirche gehört zu den jüngsten des Kirchenkreises Simmern-Trarbach. Erst im späten 16. Jahrhundert waren in Zell und Umgebung vereinzelt Evangelische anzutreffen. Es währte noch weitere zweihundert Jahre, ehe in der Preußenzeit nichtkatholische Beamte zuzogen, wobei es an vorderster Stelle meist die Landräte waren. Durch den gewerblichen Aufschwung Zells gelangten weitere evangelische Christen in die Moselstadt. Die preußische Obrigkeit interessierte sich jedoch zunächst kaum für die evangelische Minderheit. Erst 1836 wurde der Enkircher Pfarrer mit der Betreuung der Zeller Protestanten beauftragt. Um 1850 wohnten etwa vierzig Evangelische in Zell. 1865, die Zahl war weiter angewachsen, stellte die Stadt ein Rathauszimmer zur Verfügung, in welchem Superintendent Franz vom Kirchenkreis Trarbach an Pfingsten einen ersten evangelischen Gottesdienst hielt. Ein Harmonium im Saal des Stadthauses war einziger stolzer Besitz der evangelischen Christen.

1870 kam der erste Vikar nach Zell, und am 1. April 1891 entstand die jüngste Kirchengemeinde im heutigen Kirchenkreis Simmern-Trarbach.

Schon Jahre zuvor gab es Bestrebungen, eine evangelische Kirche in Zell zu bauen. Schließlich fand sich in der Schlossstraße ein geeignetes Grundstück. Zahlreiche Bittbriefe und Zuschussanträge an zivile und kirchliche Stellen blieben nicht erfolglos, und außerdem unterstützte das Gustav-Adolf-Werk die Zeller. Dennoch blieb an den mittlerweile 178 Seelen ein Großteil der Finanzierungskosten für das neue Gotteshaus hängen. Das kleine Gebäude im neugotischen Stil entstand 1885 und 1886. Dem Festgottesdienst zur Einweihung wohnten unter anderem Generalsuperintendent Dr. Baur und der Präses der Provinzialsynode Dr. Evertsbusch bei. Die Kollekte war für die Glocken vorgesehen.

Leider war der Baugrund für die Kirche zu locker, die Fundamente fanden keinen Halt, und im Laufe der Jahre rutschte der Kirchturm vom Schiff weg – ein mehrere Zentimeter breiter Spalt entstand und ließ Einsturzbefürchtungen aufkommen. Die gerade einmal siebzig Jahre alte Kirche wurde 1954 abgebrochen, und an ihrer Stelle entstand eine neue, die vom Trierer Baurat Vogel im Stil einer frühchristlichen Querkirche konzipiert war. Der Rundturm aus Bruchsteinen ist vom übrigen Baukörper abgesetzt.

Die neue Kirche wurde am 3. Advent 1958 in Dienst genommen. – Die vier Glocken, klanglich mit dem Geläute der katholischen Peterskirche abgestimmt, tragen die Namen „Christusglocke”, „Friedensglocke”, „Vertriebenenglocke” und „Gebetsglocke”.

Im Jahre 2015? wurde die Kirche durch Anbauten nach Plänen des Architekten Jürgen Schuh so verändert, dass in ihr ein Gemeindebüro, eine neue Küche, ein multifunktionaler Gemeinderaum zu finden sind. Besonders die farbenfrohen Bilder zu den Gleichnissen Jesu und zum Vaterunser, gestaltet von Jugendlichen, laden die Besucher zum Nachdenken ein.

Ein Jahr später erhielt die Kirche durch eine Gemeindeumfrage den Namen „Evangelische Paulus-Kirche“, der besonders die ökumenische Verbundenheit und Zusammenarbeit mit der römisch-katholischen Kirche „St. Peter“ zum Ausdruck bringen möchte.

(Quelle: Die Gotteshäuser im Ev. Kirchenkreis Simmern-Trarbach von Dieter Diether, 1998)

 

Blankenrath- Martin-Luther-Haus

 

 

Küsterin in Blankenrath ist Frau Schmidt, Tel 06545-6385

Zum Martin-Luther-Haus

Martin-Luther-Haus Blankenrath

Dies ist der jüngste Spross der Familie der Kirchenbauten im Kirchenkreis Simmern-Trarbach steht in einer Gegend, die im Jahre 1989 nur 200 evangelischen Christen beheimatete. Der immense Zuwachs auf heute etwa 1000 Gemeindeglieder resultiert aus der Übersiedlung vieler deutschstämmiger Menschen aus der ehemaligen UdSSR. Gerade auch die Region um Blankenrath bot durch den Rückzug der Amerikaner eine große Zahl freigewordener Unterkünfte.

Im kommunalen Gemeindehaus und einem kleinen angemieteten Raum begann das christliche Gemeindeleben. Dazu öffneten auch russlanddeutsche Brüder ihre Privathäuser zu Versammlungen und Gottesdiensten. Doch zeichnete sich für die Kirchengemeinde bald die Notwendigkeit ab, für ein eigenes Gebäude zu sorgen und 1994 konkret zu planen. Ende 1995 begannen die Bauarbeiten und der Federführung von Architekt Hartmann  . Durch reichliche private Spenden, Zuschüsse der Ortsgemeinde Blankenrath, des Kirchenkreises, verschiedener Kirchengemeinden und der Evangelischen Kirche im Rheinland ließen sich die Pläne verwirklichen.

Am 15. September 1996 wurde das neue Haus „in Dienst genommen“. Fast 240 Menschen besuchten den Eröffnungsgottesdienst in einem Raum, der durch seine Schlichtheit besticht und gerade dadurch zu Andacht und Meditation einlädt. Das Haus wird neben den  Gottesdiensten für Veranstaltungen jeglicher Art wie Bibelstunden, Konfirmandenunterricht und Chorproben genutzt.

Die Namensgebung „Martin-Luther-Haus” lag auf der Hand – bedingt dadurch, dass sich viele der neuen Gemeindeglieder aus der ehemaligen Sowjetunion als „lutherisch“ verstanden und auch die Wurzeln der Kirchengemeinde im lutherischen und reformierten Bekenntnis lagen.

Anfang der 2000er bekam der Gottesdienstraum des Martin-Luther-Hauses neue bunte Glasfenster, die die beiden Sakramente Taufe und Abendmahl abbilden.

(Quelle: Die Gotteshäuser im Ev. Kirchenkreis Simmern-Trarbach von Dieter Diether, 1998)

Hahn Simultankirche

   

Zwei von 60 Gotteshäusern im Kirchenkreis werden simultan genutzt, eines davon steht in Hahn, das zur Kirchengemeinde Würrich gehört. Ursprünglich zählte die dem Heiligen Abt Antonius geweihte Kapelle zur Pfarrei Sohren. Unter pfälzischer Herrschaft wurde die Reformation eingeführt, dann 1689 das bis heute fortbestehende Simultaneum. Auch nach dem Glaubenswechsel blieb die evangelische Gemeinde Hahn immer Filiale – zunächst von Sohren, ab 1819 von Raversbeuren und seit 1864 von Würrich.

Kirchliche Gebäude könnten sich auf dem heutigen Friedhof schon vor fast tausend Jahren befunden haben, Überlieferungen erzählen von einem Kloster. Die heutige Kirche weist Elemente verschiedener Zeiten auf. Turm und Schiff der Antoniuskapelle sind wahrscheinlich vor 1400 entstanden und zählen damit wohl zu den frühesten Sakralbauten im Hunsrück, was Untersuchungen von Holzresten durch den Hahner Heimatforscher Dieter Ochs-Wedertz ergaben.

Der bruchsteinerne Turm mit quadratischer Grundfläche verfügt im Untergeschoss lediglich über Öffnungen, die an Schießscharten erinnern. Die Bauweise, die abgeschiedene Lage der Kirche und die wehrhafte Ummauerung legen die Vermutung nahe, dass hier Menschen in unsicheren Zeiten Schutz und Zuflucht suchten und fanden.

Etwa um 1500 erfuhr das Haus umfassende Änderungen, ein wahrscheinlich nördliches Seitenschiff wurde dabei entfernt, weswegen Turm, Langhaus und Chor keine Symmetrie mehr bilden.

1717 standen umfassende Wiederherstellungsarbeiten an und 1729 erhielt die Gemeinde Geld vom badischen Hofrat, um Reparaturen am Dach vorzunehmen.

Der Kircheneingang liegt in der Südwand, unmittelbar vor der von zwei Holzsäulen getragenen Querempore. Auf ihr steht eine elektronische Orgel.

Der Hauptaltar im Chorraum trägt die Jahreszahl 1748. Ebenso stammen auch die Kanzel und die Außenüberdachung des Kirchenportals aus dem 18. Jahrhundert. Im Chorraum befindet sich außerdem ein Sakramentsschrank aus Sandstein.

Die älteste Bronzeglocke im Turm wurde 1486 gegossen. Für die zweite mit einer Umguss-Prägung von 1895 fehlen Angaben über das Herstellungsjahr. Zwei Glocken von 1489 und 1895 wurden im Krieg eingezogen.

(Quelle: Die Gotteshäuser im Ev. Kirchenkreis Simmern-Trarbach von Dieter Diether, 1998)

 

 

Würrich Ev. Kirche

 

Evangelische Kirche Würrich

Würrich gehörte im Mittelalter zur Großpfarrei Kirchberg, einer der ältesten christlichen Pfarreien auf den Hunsrückhöhen. Graf Emich von Sponheim, Pastor zu Kirchberg, stiftete 1317 die Kapelle Würrich, die zusammen mit jener in Altlay einen gemeinsamen Kaplan hatte.

1583 wurde Würrich reformiert und damit selbstständige Pfarrei, zu der weiterhin Altlay gehörte. Mit Einführung des Simultaneums 1689 bekam Altlay einen eigenen Prediger. Durch die Zahlung von 1200 Mark von der evangelischen an die katholische Gemeinde, und damit einhergehenden Überlassung der Kirche, endete 1882 das Simultaneum.

Der Turm mit einem Rundbogen-Kreuzgewölbe der 1317 erstmals erwähnten Kirche entstand in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts. Der Turm, der ursprünglich als Chorturm diente, verjüngt sich in etwa halber Höhe, es folgt verschiefertes Fachwerk  mit einem aufgesetzten achtseitigen Schweifhelm eigener Machart. Diese barocke Haube geht wohl auf das späte 18. Jahrhundert zurück.

Die alte Fachwerkkirche mit einem 1,50 m hohen Bruchsteinsockel drohte 1666 einzustürzen und der Chor zeigte Risse. Die Bausubstanz zeigte nach 1850 solche Mängel, dass eine Reparatur nicht mehr lohnte.

1887/1888 baute die Gemeinde unter Einbeziehung des alten Chorturmes eine neue Kirche nach Plänen von Landbaumeister Kiss, die 1888 wenige Tage vor Weihnachten eingeweiht wurde.

Bei der umfangreichen Renovierung von 1933 veränderten die Bauherren das Gebäude maßgeblich.

Das Innere des Gotteshauses kann als Kleinod Hunsrücker Kirchenkunst gelten, da es klar gegliedert ist und die Holzausstattung nach Art des Hunsrücker Bauernbarocks in den Farben grau, blau und beige gestaltet ist. Das mittlere Fenster im Chorraum zeigt den segnenden Christus und wurde von Pfarrer Arnoldi gestiftet.

Julius und Gustav Stumm aus der Kirner Seitenlinie der Orgelbauerdynastie lieferten 1888 das einmanualige Instrument mit 11 Registern.

Die „Mathiasglocke”, die 1481 aus Bronze gegossen wurde, ist mit 75cm Durchmesser kleiner als die „Marienglocke” von 1484 mit 95cm. Beide stammen aus der Werkstatt des bedeutenden Gießermeisters Clais von Echternach.

Im Innenraum der Kirche findet man auch eine angebrachte Leuchttafel mit den Namen der Gefallenen der beiden großen Weltkriege.

(Quelle: Die Gotteshäuser im Ev. Kirchenkreis Simmern-Trarbach von Dieter Diether, 1998)